Ich habe euch im Mai bereits dargestellt, wie die Figur Mira Elvren auf Basis einer transmedialen Konzeptidee entstanden ist. Auch Tessa Fennholm ist eine Figur, die hier im Blog stellvertretend für diegetisches Material aus meiner Welt stehen wird. 

Ihren Ursprung nahm diese Figur jedoch an einem ganz anderen Punkt. Einen kleinen Hinweis darauf gab bereits die Mini-Comic-Serie zu Enya und Ursa Thalen im April. 

Tessa Fennholm ist das Ergebnis einer Verkettung von persönlichen Einflüssen, daraus resultierenden Anforderungen und einer benötigten Verbindung. Sie steht am Ende eines längeren Gedankenspiels, an dem ich euch hier einfach teilhaben lassen möchte. 

Kilian und das Klavierspiel 

Kilian Vaith ist ein vielleicht manchmal etwas zu ernster junger Mann. Er hat eine eher elitäre Ausbildung und strenge Kindheit hinter sich und in meinem Kopf gehörte dazu auch sowas wie Klavierspiel. Das Klavierspiel diente ihm hierbei gleichzeitig als Rückzugsraum. 

Vielleicht bin ich da ein bisschen geprägt, weil ich als Kind mir mit etwas Hilfe meines Vaters selbst ein paar Noten beibrachte, jedoch nie eine Musikschule besuchte, während unsere Kinder aktuell beide Klavier in der Musikschule spielen. 

Nun hat es herzlich wenig Sinn, wenn eine Figur Hintergrundinformationen mitbringt, die sich jedoch niemals in der Story wiederfinden. Wie könnte das Thema Klavier also Einzug in die Geschichte erhalten? 

Ich hatte erst ein paar absurde Ideen zu einem E-Piano die am Ende doch sehr gewollt wirkten und nicht wirklich zu meiner Welt passten. Es gab nur eine überschaubare Anzahl an Orten, wo ein Klavier organisch hinein passte. 

Der offensichtlichste Ort ist das alte Haus, in das Charlotte mit ihrem Vater einzieht. Ein Überbleibsel der Vorbesitzerin, wenn man so möchte. 

Ursa Thalen 

So brachten mich die Klavier-Überlegungen also zu der alten Dame, die sehr lange namenlos war. Doch ich finde, wenn man beginnt, sich einen Hintergrund über die Figuren zu überlegen, dann haben sie einen Namen verdient. Ich überlegte, dass ihr verstorbener Mann Klavier gespielt haben könnte. So wie ich es im Comic auch gezeichnet habe. 

Ein bisschen erinnerten mich diese beiden an meine verstorbenen Großeltern. Mein Großvater spielte zwar kein Klavier, doch er sang sehr gern. In jüngeren Jahren hatte er in Berlin im Chor gesungen. Von den beiden bekam ich zu Weihnachten 93 oder 94 auch mein erstes Keyboard. So sind auch die Vornamen der beiden schlussendlich an die Namen meiner Großeltern mütterlicherseits angelehnt. Meine Großmutter lebte nach dem Tod meines Großvaters etwa 3 Jahre als Witwe. Sie freute sich über die Besuche vom Pflegedienst oder der Putzhilfe – beides in der Regel Frauen. Trank mit ihnen Kaffee und bot ihnen Kuchen an. 

Auch Ursa sollte regelmäßig Besuch bekommen. Jedoch natürlich passend zur Welt. Sie besitzt selbst keine magischen Fähigkeiten, doch es gab eine Übereinkunft zwischen ihrem Mann und dem Zirkel, ein Artefakt auf dem Grundstück zu lagern. Der Zirkel schickte also regelmäßig Hüter, um zu prüfen, ob alles in Ordnung sei.  

Wie kommt Kilian zu Ursa? 

Alle jungen Hüter bekommen nach Abschluss ihrer Ausbildung erste einfache Aufträge. Doch wer wäre Kilians Vorgänger oder Vorgängerin und warum gibt er oder sie ab? Vielleicht aus der Erinnerung an meine Großmutter stellte ich mir hier eher eine Frau vor. Jemand, dem Ursas Wohlbefinden über die reine Pflicht hinaus wichtig war. 

Eine gewissenhafte Hüterin, die aufgrund einer Beförderung diese Aufgabe ablegen sollte und einen geeigneten Nachfolger suchte. Sie wusste, dass Ursa das Klavierspiel ihres Mannes vermisste. Ein junger Hüter, der zufällig auch Klavier spielte, passte in ihren Augen also perfekt. (Wobei anlassloses Kaffeetrinken wahrscheinlich eher eine Herausforderung für ihn war, doch dafür hat er ja Enya, die ihn daran erinnert, dass es noch mehr als Arbeit gibt.) 

So war die Idee von Tessa Fennholm geboren. Eine Figur, die in der Hauptgeschichte erstmal keine tragende Rolle spielt, jedoch im Hintergrund eine wichtige Brücke ist. 

Wenn Figuren zu Brücken werden
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