Wenn man etwas mehr als eine Kurzgeschichte oder gar ein serielles Format schreiben möchte, kommt man nicht umhin, Teile der Welt, in der die Geschichte spielt, zu definieren, damit sie konsistent bleiben.
Die Welt der Karten – Orientierung für Leser und Autoren
Ich erinnere mich, wie ich als Jugendliche auf den gezeichneten Karten in den Herr der Ringe Büchern versuchte, die Reise nachzuvollziehen, die die Helden unternahmen. Auch das Intro der „Game of Thrones“-Verfilmung spielte mit einer Kartendarstellung. Gerade wenn weite Wege zurückgelegt werden müssen, ist es sinnvoll, irgendwann eine Karte anzulegen. Nicht nur als netten Bonus für die Leser, sondern vor allem als Orientierung für den Autor.
Nicht immer muss eine Karte eine ganze Welt dokumentieren. Es kann auch größere Gelände geben, wie das Schulgelände von Hogwarts (Harry Potter von J.K. Rowling) oder Camp Halfblood (Percy Jackson von Rick Riordan), wo eine Karte absolut sinnvoll ist, damit die Wege gleich bleiben. Ob man diese dann immer mit dem Publikum teilt, sei dahingestellt.
Vor allem für den Garten, in dem meine Geschichte ihren Anfang nimmt, habe ich bereits eine kleine Skizze angefertigt, da die Anordnung einzelner Elemente für die Story relevant ist. Doch das Haus selbst war immer irgendwie vage. Da sich ein großer Teil meiner ersten Geschichte meiner Welt jedoch auf zwei Grundstücken abspielt, ist es natürlich wichtig, die Details ebenfalls festzuhalten.
Von der Karte zum Grundriss
Als ich neulich versuchte, den Baum des Grundstücks zu zeichnen, wanderten meine Gedanken zu dem Haus. Ich hatte zwar ein paar Details durch Szenenskizzen oder meinen kleinen Mini-Comic festgelegt, doch es blieben lose Puzzlestücke, ohne dass ich den ganzen Zusammenhang sehen konnte.
Fast wünschte ich mit Die Sims zurück und hätte dort gern ein Haus entworfen. Doch ob das überhaupt noch auf meinem Rechner laufen würde? Mehrfach hatte ich mit dem Gedanken gespielt, das Haus in Blender aufzubauen, doch der Aufwand schreckte mich ab. Ich fragte Chat GPT, was ich stattdessen nehmen könnte, ohne mich in Unkosten zu stürzen. So landete ich bei floorplanner.
Auf floorplanner.com kann man sich kostenlos registrieren und einfache Grundrisse zeichnen. Die Exports sind in der kostenlosen Fassung begrenzt, doch für meinen Anwendungsfall ist das völlig in Ordnung. Man findet außerdem eine Menge von Objekten für die unterschiedlichen Räume. Diese helfen wunderbar bei der Abschätzung der benötigten Größe. Denn rein von der Story her habe ich natürlich schon eine grobe Anordnung von Möbelstücken im Kopf. Jeder der einmal mit Grundriss versucht hat, seine Möbel zu planen, weiß wie groß ein leerer Raum aussieht und wie schnell er voll ist. So merke ich genau, ob die Größenverhältnisse realistisch sind – oder eben nicht.
Man kann sich den Grundriss dann auch im 3D Modus anschauen und sich durch die Etage bewegen. Zu gern würde ich analog Sims das Haus auch von außen gestalten, aber die Aufteilung der Zimmer festzuhalten und somit klare Zusammenhänge zu sehen, das bringt mich schonmal massiv weiter.

Ziel ist es, mir möglichst genau vorstellen zu können, was die einzelnen Figuren sehen, wenn sie die Räume betreten. Was sieht Charlotte, wenn sie erstmalig das Haus betritt? Wie ist ihr Weg durch das Haus in ihr Zimmer? Wie kommt sie mit den anderen von der Terrasse ins Bad?

Meinen Prolog musste ich nun bereits leicht umschreiben, denn der Aufbau hat mir gezeigt, dass ich einen Logikfehler eingebaut hatte.
Auf diese Weise konnte ich mit Floorplanner nun zwei Häuser bereits grob visualisieren. Am Finetuning arbeite ich noch. Auf Keller habe ich bisher verzichtet, die muss ich vielleicht später noch einmal nachziehen, wenn sie an Bedeutung gewinnen sollten. Für meine Geschichte ist die genaue Lage einer potentiellen Heiztherme jedoch nicht sonderlich relevant.
Ein weiterer Vorteil dieser Vorarbeit ist, dass ich so später einfach in eine Visualisierung für Szenen oder gar Comic gehen kann, ohne längliche Textpassagen neu zu lesen und gar zu interpretieren. Ob und in welchem Umfang ich davon später Gebrauch machen werde, bleibt abzuwarten.